Das Design your Future Playbook
Wie Design Thinking auf die eigene Lebensgestaltung übertragen werden kann – und warum Reflexion, mehrere Zukunftsoptionen und kleine Experimente Selbstwirksamkeit fördern.
Michael Lewrick & Jean-Paul Thommen · Das Design your Future Playbook: Veränderungen anstossen, Selbstwirksamkeit stärken, Wohlbefinden steigern (2019)
Skill-Fokus: Selbstreflexion · Zukunfts- und Möglichkeitsdenken · Selbstwirksamkeit · Experimentierfähigkeit
3-Minuten-Impuls lesen
Viele Veränderungswünsche geraten in eine Falle: Wir meinen, zuerst den vollständigen Lebensplan kennen zu müssen. Welcher Beruf passt wirklich? Welche Aufgabe trägt langfristig? Was müsste sich ändern, damit sich das eigene Leben stimmiger anfühlt? Je größer die Entscheidung erscheint, desto leichter wird Nachdenken zum Stillstand.
Michael Lewrick und Jean-Paul Thommen übertragen Denkweisen des Design Thinking auf die persönliche Lebensgestaltung. Ihr Playbook verbindet Reflexion, Ideenentwicklung und Erprobung. Die zentrale Idee: Zukunft wird nicht allein vorausgedacht. Sie lässt sich schrittweise gestalten, indem wir uns selbst und unsere Situation besser verstehen, mehrere Möglichkeiten entwerfen und ausgewählte Annahmen im Alltag testen.
1. Zukunft als Gestaltungsraum behandeln
Design beginnt nicht mit einer perfekten Lösung, sondern mit einer offenen Frage. Für persönliche Entwicklung kann das heißen: „Wie könnte ich Arbeit so gestalten, dass Lernen und Beitrag mehr Raum bekommen?“ Diese Formulierung öffnet Möglichkeiten, ohne die Gegenwart kleinzureden oder bereits eine einzige Antwort festzuschreiben.
Das ist eine wichtige Zukunftskompetenz. In einer Welt mit unsicheren Berufswegen und raschem Wandel reicht starre Langfristplanung selten aus. Gefragt ist die Fähigkeit, Orientierung mit Anpassungsfähigkeit zu verbinden: eine Richtung wählen, Rückmeldungen aufnehmen und den nächsten Schritt überarbeiten.
2. Beobachten, was Energie und Stimmigkeit gibt
Gute Optionen entstehen nicht im luftleeren Raum. Das Playbook lenkt die Aufmerksamkeit auf Erfahrungen von Flow und Authentizität, auf Fähigkeiten, Beziehungen und Wohlbefinden. Solche Beobachtungen liefern keine automatische Antwort. Sie schaffen aber Kriterien: Wann bin ich aufmerksam? Wobei erlebe ich mich als wirksam? Welche Werte möchte ich in Entscheidungen wiederfinden?
Zu einem tragfähigen Realitätscheck gehören ebenso Grenzen und Verpflichtungen – etwa Gesundheit, finanzielle Spielräume, Sorgearbeit oder Bedingungen am Arbeitsplatz. Selbstreflexion wird dann nicht zur Nabelschau, sondern zur Verbindung von inneren Motiven und äußerer Wirklichkeit.
3. Mehrere Möglichkeiten entwerfen
Wer nur eine Zukunftsidee formuliert, verwechselt sie leicht mit der einzig richtigen. Drei deutlich unterschiedliche Entwürfe fördern dagegen Möglichkeitsdenken: eine behutsame Weiterentwicklung des Bestehenden, eine mutigere Alternative und eine Variante, die zunächst ungewöhnlich wirkt. Der Vergleich zeigt, welche Elemente wiederkehren und welche Annahmen noch ungeprüft sind.
Auch Kreativität erhält dadurch eine praktische Funktion. Es geht nicht um möglichst originelle Fantasien, sondern um Wahlmöglichkeiten, aus denen sich Lernfragen ableiten lassen.
4. Durch kleine Experimente lernen
Ein Prototyp im Lebensdesign ist kein Miniatur-Lebensplan. Er ist ein überschaubarer Versuch: ein Gespräch mit jemandem aus einem interessanten Tätigkeitsfeld, ein kleines Nebenprojekt, eine Hospitation, ein Kurs oder eine veränderte Wochenroutine. Vorher wird geklärt, was beobachtet werden soll – etwa Energie, Lernfreude, Resonanz oder die Passung zu eigenen Rahmenbedingungen.
Das Experiment ersetzt keine sorgfältige Entscheidung. Es verbessert ihre Grundlage. Und weil die Person selbst handelt, kann aus abstrakter Zuversicht konkrete Selbstwirksamkeit werden: Ich kann einen nächsten Schritt beeinflussen und aus dem Ergebnis lernen.
Deine 3-Minuten-Übung: drei Möglichkeiten, ein Test
- Minute 1 – die Designfrage. Formuliere ein aktuelles Anliegen als offene Frage: „Wie könnte ich …, ohne … aus dem Blick zu verlieren?“
- Minute 2 – drei Wege. Notiere drei wirklich unterschiedliche Möglichkeiten. Bewerte sie noch nicht; suche Varianten.
- Minute 3 – ein Versuch. Wähle einen kleinen, reversiblen Test für die nächsten sieben Tage. Ergänze: „Danach weiß ich mehr über …“
Was wir daraus mitnehmen
Für die Entwicklung von Future Skills ist der Ansatz besonders wertvoll, weil er Reflexion und Umsetzung verbindet. In WEITER7 kann das Playbook vor allem Zielbild und Realitätscheck bereichern: mehrere Zukunftsbilder öffnen den Blick, ein Experiment macht Annahmen prüfbar. WEITER7 ergänzt diese Perspektive durch die bewusste Auswahl eines relevanten Skills und eine strukturierte Lernbewegung.
Welchen kleinen Versuch könnte ich starten, bevor ich eine große Entscheidung von mir verlange?
Einordnung: Dieser Impuls verdichtet ausgewählte Gedanken des Playbooks in eigenen Worten. Das Buch verbindet Design Thinking mit Perspektiven aus positiver Psychologie, Coaching und systemischer Beratung; es ist kein Wirksamkeitsnachweis für eine einzelne Intervention. Selbstwirksamkeit und Wohlbefinden lassen sich durch Übungen nicht garantieren. Gesundheit, Ressourcen, Sorgeverantwortung, Diskriminierung und Arbeitsbedingungen begrenzen persönliche Gestaltungsspielräume. Übung, Future-Skills-Bezug und WEITER7-Übertragung sind eigene Einordnungen des Instituts.
Quellen und Vertiefung: Versus: Buchbeschreibung ↗ · Zürcher Hochschule der Künste: Design Your Future ↗ · Orell Füssli: bibliografische Angaben ↗