3-Minuten-Impuls · Entwicklung verstehen

Entwicklung verstehen 3-Minuten-Impuls 21

Peak

Warum wir durch Wiederholung allein nicht immer besser werden – und wie gezielte Übung Können weiterentwickeln kann.

Anders Ericsson & Robert Pool · Secrets from the New Science of Expertise · 2016

Gezielt an einer Schwierigkeit arbeiten. Ein konkretes Übungsziel macht Fortschritt beobachtbar.
Rückmeldung in Veränderung übersetzen. Entscheidend ist, wie wir den nächsten Versuch anpassen.
Gute Ausführung erkennen lernen. Expertise beruht auch auf differenzierten inneren Vorstellungen von Situationen und Lösungen.
3-Minuten-Impuls lesen

Wir führen seit Jahren Gespräche, halten Präsentationen oder lösen ähnliche Aufgaben. Dabei werden wir routinierter. Aber werden wir auch gezielt besser? Manchmal bleibt dieselbe Schwierigkeit bestehen: Wir erklären zu viel, übersehen wichtige Signale oder wiederholen einen Fehler.

In Peak untersuchen Anders Ericsson und Robert Pool, wie außergewöhnliches Können entsteht. Im Zentrum steht eine anspruchsvolle Idee: Entwicklung braucht Übung, die an einer konkreten Grenze unseres bisherigen Könnens ansetzt.

1. Übung braucht ein präzises Ziel

Das Buch unterscheidet verschiedene Formen des Übens. Bei Purposeful Practice, also zielgerichtetem Üben, bearbeiten wir eine klar umrissene Schwierigkeit mit konzentrierter Aufmerksamkeit, Rückmeldung und einer Herausforderung, die über das bereits sicher Beherrschte hinausgeht.

Deliberate Practice bezeichnet im engeren Sinn zusätzlich ein individuell angeleitetes Vorgehen: Eine qualifizierte Lehrperson wählt passende Aufgaben auf Grundlage bewährter Trainingsmethoden. Dafür braucht es einen Bereich, in dem gute Leistung erkennbar ist und wirksame Wege zu ihrer Entwicklung bekannt sind.

Für unseren Alltag heißt das zunächst: „Besser kommunizieren“ ist als Übungsziel zu groß. „Die zentrale Aussage in zwei verständlichen Sätzen erklären“ lässt sich dagegen gezielt bearbeiten.

2. Rückmeldung verändert den nächsten Versuch

Eine Übung wird lernwirksam, wenn wir eine Abweichung erkennen und den nächsten Versuch entsprechend anpassen können. Dazu braucht es eine Rückmeldung, die mehr sagt als „gut gemacht“ oder „noch nicht überzeugend“.

Unser eigenes Beispiel: Eine Kollegin hört eine kurze Erklärung und gibt wieder, was sie verstanden hat. Fehlt der entscheidende Gedanke, lässt sich die Erklärung überarbeiten und erneut erproben. Geübt wird ein bestimmter Bestandteil der Leistung, nicht jedes Mal die ganze Präsentation.

Hilfreich ist eine Aufgabe, die fordert und zugleich bearbeitbar bleibt. Überforderung allein schafft noch keine sinnvolle Lerngelegenheit. Ebenso wenig muss jede Alltagssituation zu einem Training werden.

3. Expertise verändert, was wir erkennen

Ericsson und Pool betonen mentale Repräsentationen: innere Wissensstrukturen, mit denen Fachkundige relevante Muster erkennen, Situationen einordnen und ihr Handeln steuern. Solche Strukturen helfen auch, die eigene Ausführung mit einem angestrebten Ergebnis zu vergleichen.

Eine Musikerin entwickelt beispielsweise eine genaue Vorstellung davon, wie eine Passage klingen soll. Dadurch kann sie Unterschiede hören, die einem Anfänger entgehen. Können und die Vorstellung guter Ausführung entwickeln sich miteinander.

Diese Expertise ist bereichsspezifisch. Wer auf einem Gebiet sehr gut urteilt, hat damit noch keine allgemeine Überlegenheit bei anderen Aufgaben erworben.

Was wir daraus mitnehmen

Für das Future Skills Institut liefert Peak eine wichtige Ergänzung zu kleinen Alltagsroutinen: Wir sollten festlegen, woran eine Verbesserung erkennbar wäre und welche Rückmeldung den nächsten Versuch verändert.

Ein Experiment für Schritt 6 unserer 7-Schritte-Logik: Eine anspruchsvolle Idee auswählen und einer anderen Person in zwei Sätzen erklären. Sie anschließend bitten, die Kernaussage wiederzugeben. Eine Unklarheit auswählen, die Erklärung überarbeiten und erneut ausprobieren. In Schritt 7 reflektieren: Was kam genauer an? Was bleibt schwierig? Und gelingt die Erklärung später auch bei einem anderen Thema?

Das ist eine eigene, von den Prinzipien inspirierte Übung. Ohne fachkundige Anleitung und bewährtes Trainingsverfahren erfüllt sie nicht automatisch die engere Definition von Deliberate Practice.

Auch die Forschung verlangt Differenzierung. Eine Metaanalyse von Macnamara und Kollegen fand je nach Bereich unterschiedlich starke Zusammenhänge zwischen Übung und Leistung. Ericsson und Harwell kritisieren, dass dabei verschiedenartige Übungsformen zusammengefasst wurden. Wie Übung definiert und gemessen wird, beeinflusst also die Schlussfolgerungen.

Eine feste Zahl von 10.000 Stunden garantiert keine Meisterschaft. Für komplexe Future Skills bleiben außerdem Kontext, Ressourcen und die Qualität der Rückmeldung bedeutsam. Unser Ziel ist eine hilfreiche Entwicklung im eigenen Leben – nicht Spitzenleistung um jeden Preis.

Welchen kleinen Bestandteil einer wichtigen Fähigkeit möchte ich gezielt verbessern – und wer oder was kann mir zeigen, ob der nächste Versuch besser gelingt?

Einordnung: Dieser Impuls stellt ausgewählte Buchgedanken anhand öffentlich zugänglicher Originalmaterialien in eigenen Worten vor und ergänzt sie um die wissenschaftliche Debatte. Studien zu Expertise in klar umrissenen Leistungsbereichen lassen sich nicht unmittelbar auf jede soziale oder persönliche Fähigkeit übertragen. Zusammenhänge zwischen Übungszeit und Leistungsunterschieden sind keine Garantie für individuelle Fortschritte und belegen allein keine Kausalität. Die Kommunikationsbeispiele und der Bezug zur 7-Schritte-Logik sind eigene Übertragungen des Instituts.

Buch: Anders Ericsson & Robert Pool (2016): Peak: Secrets from the New Science of Expertise. Eamon Dolan/Houghton Mifflin Harcourt.

Quellen und Vertiefung: Verlagsseite zum Buch ↗ · Buchbeschreibung und Vorschau ↗ · Ericsson & Harwell: Definition und Forschungsdebatte (2019) ↗ · Macnamara et al.: Metaanalyse (2014) ↗