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Beispiel 2:
Orientierung am Übergang von Schule zu Beruf

Ausgangssituation: Martin ist 18 Jahre alt und steht kurz vor dem Ende seiner Schulzeit. Formal betrachtet stehen ihm viele Möglichkeiten offen: Studium, Ausbildung, duales Studium, ein freiwilliges Jahr. Praktisch fühlt er sich jedoch blockiert. Je mehr Optionen er sieht, desto schwerer fällt ihm eine Entscheidung. In seinem Umfeld wird häufig gefragt: „Was willst du denn jetzt machen?“
Martin spürt dabei weniger Neugier als Druck. Er hat das Gefühl, sich für etwas „Richtiges“ entscheiden zu müssen – und zugleich die Angst, eine falsche Weiche zu stellen.

Schritt 1: Ein vorläufiges Zielbild ermitteln

Statt sofort nach einem konkreten Beruf oder Studiengang zu suchen, formuliert Martin ein erstes Zielbild – bewusst offen und zeitlich begrenzt: „Ich möchte in den nächsten ein bis zwei Jahren besser verstehen, was mir liegt, was mich interessiert und wie ich lernen und arbeiten möchte – ohne mich vorschnell festzulegen.“ 

Dieses Zielbild nimmt Druck heraus. Es verschiebt den Fokus von einer endgültigen Entscheidung hin zu Orientierung und Selbsterfahrung.

Schritt 2:  Realitätscheck – was ist aktuell möglich?

Martin betrachtet seine Rahmenbedingungen:
- Er lebt noch bei seinen Eltern.
- Finanzielle Grundsicherung ist gegeben.
- Er hat wenig praktische Berufserfahrung, aber Zeit und Lernbereitschaft.

Gleichzeitig erkennt er: Ein mehrjähriges Commitment fühlt sich im Moment zu groß an.
Ein Orientierungsjahr wäre realistisch.

Das Zielbild bleibt bestehen, wird aber konkretisiert auf einen überschaubaren Zeithorizont.

Schritt 3:  Orientierungsgrößen ableiten

Martin fragt sich: Woran würde ich merken, dass ich mich in die richtige Richtung bewege? Er entscheidet sich für drei Orientierungsgrößen:
- Ich verstehe besser, was mir beim Lernen und Arbeiten wichtig ist.
- Ich fühle mich weniger gelähmt von Entscheidungsdruck.
- Ich sammle reale Erfahrungen statt nur darüber nachzudenken.

   Diese Punkte helfen ihm, Fortschritt jenseits von Abschluss oder Titel wahrzunehmen.

Schritt 4:  Spiegelung mit der Future-Skills-Übersicht

Martin schaut nun auf das Skill-Framework und fragt:
- Welche Fähigkeiten helfen mir, mit dieser Unsicherheit umzugehen?

Er identifiziert mehrere relevante Skills: 
- Entscheidungsfähigkeit unter Unsicherheit
- Selbstreflexionsfähigkeit
- Lern- und Entwicklungskompetenz

Beim ehrlichen Blick auf sich selbst erkennt er:
- Er denkt viel, reflektiert aber wenig strukturiert.
- Unsicherheit führt schnell zu Aufschieben.

Lernen fällt ihm leicht, solange er einen Sinn erkennt.

Schritt 5:  Bewusste Priorisierung

Martin entscheidet sich für einen Fokus:
- einen Skill: Entscheidungsfähigkeit
- einen Unterskill: kleine, reversible Entscheidungen treffen

Er erkennt: Er muss nicht sofort die „große“ Entscheidung treffen – sondern lernen, Entscheidungen in Etappen zu denken.

Schritt 6:  Entwicklungs-Experimente (über einen Zeitraum von 6 Wochen)

Martin wählt zwei einfache Experimente:
1. Jede Woche eine konkrete Erfahrung organisieren (Gespräch, Schnuppertag, Praktikum).
2. Nach jeder Erfahrung drei Fragen notieren: Was hat mich interessiert? Was hat mich gestört? Was sagt mir das über mich?

Der Zeitraum von sechs Wochen gibt Struktur – ohne langfristige Bindung.

Schritt 7: Lernreflexion statt Bewertung

Nach sechs Wochen reflektiert Martin:
- Was hat geholfen? Reale Erfahrungen haben den Entscheidungsdruck deutlich reduziert.
- Was hat gebremst? Gespräche mit sehr entschlossenen anderen haben ihn zeitweise verunsichert.
- Was ist der nächste kleine Schritt? Er möchte zwei Optionen vertiefen, statt weiter zu suchen.

Sein Zielbild verändert sich leicht: „Ich möchte mich jetzt für einen nächsten Lernschritt entscheiden – nicht für mein ganzes Leben.“

Was dieses Beispiel zeigt: 

Es wurde:
- keine endgültige Berufsentscheidung getroffen,
- keine „richtige“ Antwort gefunden,
- kein Zeitdruck künstlich erhöht.

Und doch hat Martin etwas Zentrales gewonnen:
- Klarheit über sich selbst,
- Handlungsspielräume,
- Vertrauen in einen schrittweisen Entscheidungsprozess.

Gerade in Übergangsphasen zeigt sich die Stärke des Modells besonders deutlich. Es ersetzt die Illusion der richtigen Entscheidung durch die Fähigkeit, mit Unsicherheit handlungsfähig zu bleiben. Nicht jede Entscheidung muss richtig sein. Aber sie sollte reversibel, bewusst und lernorientiert getroffen werden.

Erkennst Du Dich wieder?

In Momenten des Innehaltens – befinden sich viele Menschen in einem mentalen Aufbruchsmodus: Sie reflektieren, setzen sich neue Ziele und sind besonders offen für Veränderung. Dieses „Silvester-Phänomen“ kannst du gezielt nutzen, indem du genau diesen Impuls folgst: den Wunsch nach Selbstbestimmung und persönlicher Weiterentwicklung. 

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