2035 – Die Zukunft beginnt heute
Was, wenn KI und Roboter nicht nur unsere Arbeit verändern – sondern die Frage, wofür wir arbeiten?
Sven Gábor Jánszky · „2035 – Die Zukunft beginnt heute“ · 2026
3-Minuten-Impuls lesen
Wie könnte ein gewöhnlicher Tag im Jahr 2035 aussehen?
Sven Gábor Jánszky beantwortet diese Frage nicht mit einer abstrakten Trendübersicht, sondern mit einem konkreten Zukunftsszenario. In 2035 – Die Zukunft beginnt heute beschreibt er einen möglichen Alltag, in dem persönliche KI-Systeme, humanoide Roboter, Fortschritte in der Medizin und Langlebigkeitsforschung sowie neue Energie- und Produktionsformen selbstverständlich geworden sein könnten.
Die Grundlage dafür sind nach Darstellung des Autors und des Verlags Technologien, Prototypen, Forschungsprojekte und Unternehmensstrategien, die heute bereits existieren. Die eigentliche Prognose lautet also nicht, ob diese Technologien existieren werden, sondern welche davon bis 2035 massentauglich und alltäglich werden könnten.
Genau deshalb ist das Buch für das Future Skills Institut interessant: nicht als Beschreibung einer sicheren Zukunft, sondern als konkretes Szenario, an dem sich unsere heutigen Annahmen über Arbeit, Lernen und ein gutes Leben testen lassen.
1. Zukunft beginnt lange bevor sie Alltag wird
Viele Veränderungen wirken plötzlich, obwohl ihre technischen Grundlagen Jahre vorher sichtbar waren. Künstliche Intelligenz, humanoide Robotik, Brain-Computer-Interfaces oder neue Verfahren in Medizin und Energie befinden sich heute in sehr unterschiedlichen Reifestadien. Ob und wann sie im Alltag der Mehrheit ankommen, ist offen.
Jánszkys Ansatz ist deshalb interessant: Er fragt nicht nur, welche Technologie möglich ist, sondern wie sich mehrere Entwicklungen gegenseitig verstärken könnten. Eine persönliche KI verändert unseren Alltag anders, wenn gleichzeitig Roboter physische Aufgaben übernehmen, medizinischer Fortschritt Lebensphasen verlängert und neue Wirtschaftsmodelle entstehen.
Für Zukunftskompetenz bedeutet das: Wir müssen nicht jede einzelne technische Entwicklung korrekt vorhersagen. Wichtiger ist die Fähigkeit, Zusammenhänge zu erkennen, Annahmen regelmäßig zu überprüfen und den eigenen Kurs anzupassen.
2. Was, wenn KI nicht nur Jobs verändert, sondern Erwerbsarbeit selbst?
Besonders weitreichend sind die Szenarien des Buches zur Arbeitswelt. Jánszky denkt eine Zukunft durch, in der KI und Robotik einen wachsenden Anteil heutiger Aufgaben übernehmen und klassische Lohnarbeit dadurch knapper oder grundlegend anders organisiert werden könnte.
Das muss nicht so eintreten. Aber schon die Möglichkeit verändert die Future-Skills-Frage.
Üblicherweise lautet sie: Welche Fähigkeiten brauche ich, um auch morgen noch einen guten Job zu haben? Diese Frage bleibt wichtig. Genau deshalb untersucht unser JobRadar 2040, welche neuen menschlichen Verantwortungsrollen entstehen könnten und welche Fähigkeiten den Zugang zu ihnen erleichtern.
Aber wenn technologische Produktivität irgendwann tatsächlich dazu führt, dass für einen Teil der Menschen weniger regelmäßige Erwerbsarbeit benötigt wird, entsteht eine zweite Frage:
Was trägt mein Leben, wenn Arbeit nicht mehr alles trägt, was sie heute trägt?
3. Arbeit gibt uns viel mehr als Einkommen
Arbeit strukturiert heute für viele Menschen den Tag. Sie schafft Kontakte, Anerkennung, Aufgaben, Entwicklung, Identität und das Gefühl, gebraucht zu werden. Deshalb wäre weniger Erwerbsarbeit nicht automatisch nur ein finanzielles Thema.
In einem der Zukunftsbilder rund um 2035 werden deshalb Tätigkeiten sichtbar, die im klassischen Erwerbsmodell oft weniger Anerkennung erhalten: Fürsorge, Bildung, Kunst, Gemeinschaft, Nachbarschaft, Pflege, Erziehung, Ehrenamt und lokale Verantwortung.
Das berührt unmittelbar unsere Forschung zu Lebensfähig 2040. Dort fragen wir: Welche anderen Stützen braucht ein gutes Leben, wenn Erwerbsarbeit ihre bisherige strukturierende Wirkung teilweise verliert?
Die Antwort kann nicht einfach „mehr Freizeit“ lauten. Freizeit allein erzeugt weder Sinn noch Beziehungen noch Selbstwirksamkeit. Menschen brauchen Möglichkeiten, ihren Alltag zu strukturieren, beizutragen, verbunden zu sein und sich als wirksam zu erleben.
4. Die entscheidende Zukunftsfrage ist deshalb menschlich
Ob 2035 tatsächlich humanoide Roboter in vielen Haushalten leben, Kernfusion wirtschaftlich relevant ist oder neue Einkommensmodelle entstehen, wissen wir heute nicht.
Aber das Szenario macht eine andere Frage sichtbar: Wie abhängig ist mein heutiges Lebensmodell von Bedingungen, die sich verändern könnten?
Wenn ein großer Teil von Identität, sozialen Kontakten, Tagesstruktur und Selbstwert an Erwerbsarbeit hängt, kann ein Wandel der Arbeitswelt weit über die Karriere hinausreichen. Zukunftsfähigkeit bedeutet dann nicht nur, neue Technologie bedienen zu können. Sie bedeutet auch, Sinn, Beziehungen, Struktur und Handlungsmöglichkeiten unter veränderten Bedingungen neu gestalten zu können.
Was wir daraus mitnehmen
2035 ist ein bewusst zugespitztes Zukunftsbild. Es ist keine empirische Vorhersage dessen, was in neun Jahren sicher Realität sein wird. Einzelne Entwicklungen können schneller kommen, später kommen oder ganz anders verlaufen.
Gerade deshalb eignet sich das Buch als Denkexperiment.
Für das Future Skills Institut lautet die relevante Frage nicht: Hat Jánszky mit jeder Prognose recht?
Sondern: Wenn auch nur ein Teil dieser Entwicklungen eintritt – welche Fähigkeiten und welche Lebensstrukturen helfen Menschen dann, weiterhin zufrieden und handlungsfähig zu bleiben?
Vielleicht müssen wir uns deshalb auf Zukunft nicht nur vorbereiten, indem wir lernen, mit neuen Technologien zu arbeiten. Vielleicht müssen wir ebenso lernen, ein gutes Leben so auf mehrere Säulen zu stellen, dass es auch dann trägt, wenn sich eine davon verändert.
Welche Funktion erfüllt Erwerbsarbeit heute für mein Leben – jenseits des Einkommens – und wo könnte diese Funktion auch auf andere Weise entstehen?
Einordnung: Dieser 3-Minuten-Impuls fasst ausgewählte öffentlich beschriebene Gedanken und Szenarien des Buches in eigenen Worten zusammen und ordnet sie aus der Perspektive der Forschungsfragen des Future Skills Instituts ein. Die dargestellten Zukunftsbilder sind Szenarien und Prognosen des Autors, keine gesicherten Aussagen darüber, wie das Jahr 2035 tatsächlich aussehen wird. Der Beitrag ersetzt nicht die Lektüre des Originals.
Quelle: Sven Gábor Jánszky (2026): 2035 – Die Zukunft beginnt heute. Forward Verlag, ISBN 978-3-98755-208-3. Weitere Informationen: Offizielle Buchseite ↗ · Öffentliches Interview zu zentralen Zukunftsthesen ↗