3-Minuten-Impuls · Zukunft verstehen

Zukunft verstehen 3-Minuten-Impuls 16

Future of Jobs Report 2025

Warum die Zukunft der Arbeit nicht nur neue Jobs hervorbringt – sondern vor allem neue Übergänge verlangt.

World Economic Forum · Future of Jobs Report 2025 · veröffentlicht am 7. Januar 2025 · Perspektiven von 1.043 großen Arbeitgebern mit mehr als 14,1 Mio. Beschäftigten

Die Arbeitswelt verändert sich in beide Richtungen. Bis 2030 rechnet der Report mit 170 Mio. neu entstehenden und 92 Mio. verdrängten Stellen – ein positiver Saldo, aber zugleich enorme Bewegung.
Technologiekompetenz allein reicht nicht. AI & Big Data wachsen besonders schnell, gleichzeitig bleiben analytisches Denken, Resilienz, kreatives Denken und Lernfähigkeit zentral.
Der Engpass ist der Übergang. Arbeitgeber erwarten, dass sich 39 % der beruflichen Kernkompetenzen verändern. Entscheidend wird, ob Menschen neue Fähigkeiten tatsächlich entwickeln und in neue Aufgaben übertragen können.
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78 Millionen zusätzliche Jobs bis 2030. Diese Zahl aus dem Future of Jobs Report 2025 klingt zunächst beruhigend.

Doch sie erzählt nur die Hälfte der Geschichte.

Denn hinter dem positiven Saldo stehen nach Berechnungen des World Economic Forum rund 170 Millionen neu entstehende und 92 Millionen verdrängte Stellen. Zusammengenommen entspricht das einem strukturellen Wandel von etwa 22 % der heute betrachteten formalen Beschäftigung.

Die entscheidende Botschaft lautet deshalb nicht: „Es wird genug neue Jobs geben.“ Sie lautet eher: Sehr viele Menschen werden sich zwischen alten und neuen Aufgaben bewegen müssen.

Genau darin liegt der Wert des Reports für die Future-Skills-Debatte.

1. Die Zukunft besteht nicht nur aus KI-Jobs

Der Report untersucht fünf große Treiber des Arbeitsmarkts: technologischen Wandel, grüne Transformation, demografische Veränderungen, geoökonomische Fragmentierung und wirtschaftliche Unsicherheit.

Technologie spielt dabei eine besonders starke Rolle. In Prozent betrachtet gehören Big-Data-Spezialisten, FinTech Engineers sowie AI- und Machine-Learning-Spezialisten zu den am schnellsten wachsenden Rollen.

Aber das Gesamtbild ist wesentlich breiter. In absoluten Zahlen erwartet der Report besonders viel Beschäftigungswachstum auch bei Landwirtschaft, Lieferdiensten, Bau, Verkauf und Lebensmittelverarbeitung. Hinzu kommen wachsende Rollen in Pflege, Sozialarbeit und Bildung.

Das ist eine wichtige Korrektur an einem verbreiteten Zukunftsbild: Die Arbeitswelt von morgen besteht nicht ausschließlich aus Programmierern und KI-Spezialisten. Technologischer Wandel trifft auf Demografie, Versorgung, Infrastruktur und gesellschaftliche Grundbedürfnisse.

Für die Orientierung ist deshalb weniger hilfreich zu fragen: „Welcher einzelne Beruf ist zukunftssicher?“ Sinnvoller ist die Frage: Welche Aufgaben wachsen – und welche Fähigkeiten lassen sich zwischen unterschiedlichen Aufgabenfeldern übertragen?

2. Je technologischer die Arbeitswelt wird, desto weniger verschwinden die menschlichen Fähigkeiten

Bei den Kompetenzen zeigt der Report ein bemerkenswertes Doppelbild.

AI und Big Data führen die Liste der Fähigkeiten an, deren Bedeutung nach Einschätzung der Arbeitgeber bis 2030 besonders stark wächst. Auch Netzwerke und Cybersicherheit sowie technologische Kompetenz legen deutlich zu.

Gleichzeitig bleibt analytisches Denken die wichtigste aktuelle Kernkompetenz: Rund sieben von zehn befragten Unternehmen bezeichnen sie als wesentlich. Direkt dahinter stehen Resilienz, Flexibilität und Agilität sowie Führung und sozialer Einfluss. Auch kreatives Denken, Neugier und lebenslanges Lernen gewinnen an Bedeutung.

Das ist aus unserer Sicht wichtiger als die häufige Vereinfachung „technische Skills versus Soft Skills“.

Die Zukunft verlangt offenbar nicht entweder Technologie oder menschliche Fähigkeiten. Sie verlangt zunehmend Kombinationen: Technologie verstehen, Informationen beurteilen, Probleme strukturieren, mit Unsicherheit umgehen, mit anderen zusammenarbeiten und weiterlernen.

Dabei sollte man allerdings vorsichtig sein: Dass Arbeitgeber eine menschliche Fähigkeit für wichtig halten, bedeutet nicht automatisch, dass genau diese Fähigkeit „KI-sicher“ ist. Der Report misst vor allem erwartete Nachfrage nach Kompetenzen – nicht die technische Unersetzbarkeit des Menschen.

3. Die schwierigste Future-Skills-Frage lautet nicht „Welche?“ – sondern „Wie?“

Vielleicht die wichtigste Zahl für das Future Skills Institut lautet deshalb nicht 170 Millionen, sondern 39 %.

So groß ist nach Einschätzung der befragten Arbeitgeber der Anteil beruflicher Kernkompetenzen, der sich bis 2030 verändern könnte.

Der Report übersetzt die Größenordnung noch anschaulicher: Würde die globale Erwerbsbevölkerung aus 100 Personen bestehen, bräuchten bis 2030 59 von ihnen Weiterbildung oder Umschulung. 29 könnten nach Erwartung der Arbeitgeber in ihrer bisherigen Rolle weiterqualifiziert werden, 19 in andere Rollen wechseln. Für 11 wäre die notwendige Qualifizierung voraussichtlich nicht erreichbar.

Entsprechend nennen 63 % der Arbeitgeber Kompetenzlücken als größte Hürde für ihre Transformation. 85 % planen, Beschäftigte weiterzuqualifizieren; 70 % wollen Menschen mit neuen Kompetenzen einstellen und rund die Hälfte Beschäftigte aus schrumpfenden in wachsende Rollen überführen.

Hier beginnt für uns die eigentliche Entwicklungsfrage.

Eine Liste wichtiger Future Skills verändert noch keinen Menschen. Zwischen „Diese Kompetenz wird wichtiger“ und „Ich kann sie in meinem Alltag tatsächlich einsetzen“ liegen Zeit, Energie, Motivation, Lernmöglichkeiten, Feedback, passende Aufgaben und individuelle Voraussetzungen.

Genau deshalb reicht es nicht, Kompetenzmodelle zu erstellen. Wir müssen ebenso verstehen, wie Entwicklung realistisch gelingt – in kleinen Schritten, im jeweiligen Lebens- und Arbeitskontext und mit Raum für Anpassung.

4. Der Report schaut auf Beschäftigungsfähigkeit – wir müssen zusätzlich auf Lebensfähigkeit schauen

Der Future of Jobs Report ist für uns ein wichtiger Datenpunkt. Aber er beantwortet bewusst eine bestimmte Frage: Welche Jobs, Skills und Personalstrategien erwarten große Arbeitgeber?

Das ist nicht dasselbe wie die umfassendere Frage: Welche Fähigkeiten brauchen Menschen für ein gutes Leben im Wandel?

Eine Kompetenz kann auf dem Arbeitsmarkt stark nachgefragt sein und trotzdem nur einen Teil menschlicher Handlungsfähigkeit abdecken. Umgekehrt können Fähigkeiten wie Selbststeuerung, Beziehungsgestaltung, Sinnorientierung oder der Umgang mit grundlegenden Lebensübergängen für einen Menschen enorm wichtig sein, ohne in einer Arbeitgeberbefragung ganz oben zu stehen.

Deshalb verstehen wir Arbeitsmarktdaten als eine von mehreren Perspektiven.

JobRadar 2040 knüpft daran an und fragt weiter: Welche neuen Aufgaben und Verantwortungen könnten für Menschen entstehen, wenn Technologien immer mehr heutige Tätigkeiten übernehmen?

Lebensfähig 2040 stellt die zweite Frage: Was trägt ein gutes Leben, wenn Erwerbsarbeit irgendwann weniger Einkommen, Struktur, Anerkennung, soziale Kontakte oder Sinn bereitstellt?

Future Skills sind damit für uns nicht nur Qualifikationen für den nächsten Job. Sie sollen Menschen helfen, Übergänge zu bewältigen und ihr Leben unter veränderten Bedingungen weiterhin mitzugestalten.

Was wir daraus mitnehmen

Der Future of Jobs Report 2025 liefert keine Landkarte, auf der wir nur den richtigen Zukunftsberuf markieren müssen.

Sein stärkerer Befund ist: Der Arbeitsmarkt wird beweglicher – und damit wird Entwicklungsfähigkeit selbst wichtiger.

Menschen werden neue Technologien nutzen, Aufgaben abgeben, neue Aufgaben übernehmen, Wissen aktualisieren und möglicherweise mehrfach zwischen Rollen wechseln müssen.

Das verändert auch die Perspektive auf Future Skills.

Die entscheidende Fähigkeit ist vielleicht nicht diejenige, die heute auf Platz eins einer Rangliste steht. Wertvoll sind Fähigkeiten, die Menschen dabei unterstützen, auch dann handlungsfähig zu bleiben, wenn sich die Rangliste wieder verändert.

Wenn sich ein großer Teil meiner beruflichen Anforderungen in den nächsten Jahren verändern würde: Welche Fähigkeit würde mir helfen, nicht nur einen bestimmten Job zu sichern – sondern mehrere mögliche Übergänge gut zu bewältigen?

Einordnung: Dieser 3-Minuten-Impuls fasst ausgewählte Ergebnisse des Future of Jobs Report 2025 in eigenen Worten zusammen und verbindet sie mit den Forschungsfragen des Future Skills Instituts. Die Zahlen des Reports sind keine sicheren Vorhersagen. Sie beruhen wesentlich auf Erwartungen und Planungen großer Arbeitgeber, erhoben von Mai bis September 2024, und werden für Teile der Beschäftigungsprojektionen mit ILO-Daten kombiniert. Die Befragung fokussiert größere Unternehmen und formale Beschäftigung; kleine Unternehmen und der informelle Sektor liegen ausdrücklich außerhalb ihres zentralen Geltungsbereichs. Globale Aggregate lassen sich deshalb nicht unmittelbar auf einzelne Länder, Branchen, Berufe oder persönliche Karriereentscheidungen übertragen. Die Verbindungen zu menschlicher Handlungsfähigkeit, JobRadar 2040 und Lebensfähig 2040 sind FSI-Einordnungen.

Quelle: World Economic Forum (2025): Future of Jobs Report 2025, veröffentlicht am 7. Januar 2025. Weitere Informationen: Offizielle Reportseite ↗ · Key Findings ↗ · Skills Outlook ↗ · Methodik ↗